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2026-08-20

Wikimania 2026 in Paris: Zwischen Digital Public Luxury und Funding-Streit

The Wikimania this year brought inspiring ideas, difficult debates, new connections — and a city that offered its own compelling example of what transformation can look like.

Ursprünglich veröffentlicht auf Wikipedia.

Die Wikimania 2026 in Paris war für mich vor allem eines: eine gute Gelegenheit, das Wikimedia Movement wieder einmal in seiner ganzen Breite zu erleben mit bekannten Gesichtern, neuen Kontakten, inspirierenden Ideen, aber auch einigen durchaus kontroversen Diskussionen.

Besonders präsent war dieses Jahr die Debatte um die geplanten neuen Funding-Guidelines der Wikimedia Foundation. Entsprechend spannend waren für mich die Sessions rund um dieses Thema, darunter auch der Fireside Chat mit dem WMF-Leadership. Die Diskussionen haben deutlich gemacht, dass es doch einigermaßen ähnliche Perspektiven innerhalb des globalen Movements auf Fragen von Finanzierung, Anerkennung und Machtverteilung gibt, die jedoch schwer vereinbar scheinen mit den derzeitigen Plänen der Foundation. Die Situation ist verfahren und lässt sich auch nicht leicht auflösen. Umso wichtiger ist es, dass der Foundation von allen Seiten deutlich gemacht wurde, dass es mehr Zeit und Einbindung aller Stakeholder braucht. Es ist schade, dass es dafür eine doch recht direkte Konfrontation gebraucht hat. Auch dass die Unionization der WMF-Angestellten mit vorgeschobenen Argumenten hinausgezögert wird, steigert nicht das Vertrauen in die derzeitigen Führungspersonen. Trotzdem bleibt der direkte Austausch zwischen Foundation, Affiliates und Community für mich weiterhin einer der großen Werte einer solchen Veranstaltung.

Einen ganz anderen, aber ebenso bleibenden Eindruck hat ein Lightning Talk zu „Digital Public Luxury“ hinterlassen. Die Idee, Wikimedia nicht nur als Sammlung freier Wissensprojekte, sondern als hochwertige digitale öffentliche Infrastruktur zu begreifen, fand ich ausgesprochen inspirierend. Wikipedia, Wikidata oder Commons sind schließlich Dienste, die weltweit selbstverständlich genutzt werden können, ohne Paywall, Werbung oder die Verwertung der Aufmerksamkeit ihrer Nutzer:innen. Der Begriff bringt für mich sehr gut auf den Punkt, warum Wikimedia auch politisch relevant ist: als konkreter Beweis dafür, dass digitale Infrastruktur gemeinschaftlich organisiert und am Gemeinwohl ausgerichtet sein kann.

Wie so oft bei der Wikimania waren aber die Gespräche außerhalb des offiziellen Programms mindestens genauso wertvoll. Ich konnte viele bekannte Wikimedianer:innen wiedersehen und mich mit neuen Leuten vernetzen. Besonders hilfreich war der Austausch mit Menschen, die stärker im Bildungsbereich arbeiten. Mit Blick auf das in Österreich geplante neue Schulfach „Medien und Demokratie“ möchte Wikimedia Österreich den Kontakt zu Bildungsminister Christoph Wiederkehr und seinem Ressort suchen. Die Erfahrungen und Perspektiven anderer Wikimedia-Communitys zu Medienbildung, Demokratiebildung und der Arbeit mit Schulen sind dafür sehr wertvoll.

Auch über eigene Projekte konnte ich sprechen: Unter anderem habe ich immer wieder mein neues Tool WikiCollab hergezeigt und mit anderen über kollaboratives Arbeiten mit Wikitext diskutiert. Gerade solche spontanen Gespräche mit Menschen, die an ähnlichen technischen oder Community-Problemen arbeiten, sind etwas, das sich durch Videokonferenzen nur schwer ersetzen lässt. Und manchmal funktioniert Networking eben auch bei einer Karaoke-Session besser als bei einem Panel.

Nicht zuletzt war Paris selbst ein wichtiger Teil dieser Wikimania. Ich war schon lange nicht mehr in der Stadt und war beeindruckt davon, wie stark sich der öffentliche Raum in den vergangenen Jahren verändert hat. Aus meiner Arbeit rund um Stadtentwicklung und Verkehr in Wien war es besonders spannend zu sehen, welchen Raum das Fahrrad inzwischen in Paris einnimmt und wie sichtbar die Transformation der Stadt geworden ist. Nach einem langen Konferenztag im Bassin de la Villette oder sogar in der Seine schwimmen zu können, war dabei ein ziemlich gutes Zusatzprogramm.

Ich nehme aus Paris daher nicht die eine große Erkenntnis mit, sondern eine Mischung aus neuen Ideen, politischen Diskussionen, konkreten Kontakten und viel Motivation. Genau diese Verbindung aus internationalem Austausch, gemeinsamer Arbeit an freien digitalen Gemeingütern und den vielen informellen Begegnungen macht die Wikimania für mich besonders wertvoll.

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